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On Premise versus Cloud KI richtig entscheiden

  • Autorenbild: Hakan Cobanoglu
    Hakan Cobanoglu
  • 19. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Eine KI-Anwendung liefert im Fachbereich überzeugende Ergebnisse, doch vor der Produktivsetzung bleiben entscheidende Fragen offen: Welche Daten verlassen das Unternehmen? Wer administriert Modelle und Zugriffe? Wie wird die Lösung in SAP-, Daten- und Berechtigungsstrukturen eingebunden? Bei On Premise versus Cloud KI geht es deshalb nicht um eine reine Infrastrukturpräferenz. Es geht um Betriebsverantwortung, Datenflüsse, regulatorische Anforderungen und die Fähigkeit, den Nutzen im laufenden Geschäft reproduzierbar zu erzielen.

Für mittelständische Unternehmen und größere Organisationen ist die Antwort selten ein pauschales Entweder-oder. Die passende Zielarchitektur entsteht aus dem konkreten Anwendungsfall, der Schutzbedarfsanalyse und den vorhandenen Betriebsmodellen. Wer diese Entscheidung frühzeitig strukturiert trifft, reduziert spätere Umbauten, Freigabeschleifen und Risiken im Go-Live.

On Premise versus Cloud KI: Die Entscheidung beginnt beim Prozess

Die Infrastruktur sollte nicht der Ausgangspunkt sein. Zuerst muss klar sein, welchen Prozess die KI unterstützt, welche Entscheidung sie vorbereitet oder automatisiert und welche Folgen fehlerhafte Ergebnisse hätten. Ein Chatbot für interne Wissensdokumente stellt andere Anforderungen als eine KI-gestützte Prüfung von Rechnungen, ein Prognosemodell für Energiedaten oder eine Assistenz im SAP-nahen Beschaffungsprozess.

Drei Fragen schaffen eine belastbare Grundlage: Welche Daten werden verarbeitet? Welche Systeme und Rollen sind betroffen? Und welche Anforderungen gelten an Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Freigabe? Daraus lässt sich ableiten, ob eine Cloud-Umgebung, ein lokaler Betrieb oder ein hybrides Modell angemessen ist.

Gerade bei produktionsnahen KI-Anwendungen reicht es nicht, Daten nur technisch zu übertragen. Datenherkunft, Transformationen, Zugriffspfade und Aufbewahrungsregeln müssen dokumentiert sein. Wenn Ergebnisse in SAP-Prozesse zurückfließen, gehören auch Schnittstellenverantwortung, Fehlerbehandlung, Testfälle und ein geregelter Cutover zur Architekturentscheidung.

Wann On-Premise-KI sinnvoll sein kann

On-Premise-KI bezeichnet den Betrieb von Datenplattform, Modellen und Anwendungen in der eigenen Infrastruktur oder in einer dediziert kontrollierten Umgebung. Der wichtigste Vorteil liegt nicht automatisch in höherer Sicherheit, sondern in der weitreichenden Steuerbarkeit. Unternehmen können Netzwerkzonen, Zugriffsrechte, Protokollierung, Update-Zeitpunkte und Datenresidenz nach ihren eigenen Betriebsanforderungen gestalten.

Das ist besonders relevant, wenn hochsensible Forschungs-, Kunden-, Produktions- oder Finanzdaten verarbeitet werden und bereits etablierte Sicherheitsarchitekturen bestehen. Auch bei begrenzter Netzanbindung von Werken, niedrigen Latenzanforderungen oder einer engen Kopplung an lokale Produktionssysteme kann ein lokaler Betrieb fachlich sinnvoll sein.

Diese Kontrolle bringt jedoch eigene Pflichten mit sich. Rechenkapazität muss dimensioniert, überwacht und erneuert werden. Teams benötigen klare Verantwortlichkeiten für Plattformbetrieb, Modellbereitstellung, Patch-Management, Sicherheitsupdates und Incident-Prozesse. Bei generativer KI kommen Anforderungen an Modellversionierung, Prompt-Verwaltung, Qualitätskontrollen und die Trennung von Entwicklungs-, Test- und Produktivumgebung hinzu.

On Premise ist daher keine Abkürzung für Compliance. Eine lokal betriebene Lösung kann nur dann regulatorisch belastbar sein, wenn sie nachvollziehbar gesteuert wird. Fehlende Rollenmodelle oder unklare Datenflüsse bleiben Risiken - unabhängig davon, wo die Server stehen.

Was für Cloud KI spricht - und was geprüft werden muss

Cloud KI kann den Einstieg beschleunigen, weil skalierbare Rechenleistung, Plattformdienste und verwaltete Komponenten schneller verfügbar sind. Das ist vorteilhaft, wenn Lasten schwanken, mehrere Teams auf gemeinsame KI-Services zugreifen oder neue Anwendungsfälle zunächst kontrolliert erprobt werden sollen. Auch für Daten- und KI-Plattformen, die über mehrere Standorte hinweg arbeiten, kann die Cloud den Betrieb vereinfachen.

Die Geschwindigkeit darf allerdings nicht dazu führen, dass wesentliche Architekturfragen offenbleiben. Unternehmen sollten präzise prüfen, in welcher Region Daten verarbeitet werden, welche Unterauftragnehmer eingebunden sind, ob Trainings- oder Eingabedaten für andere Zwecke verwendet werden und wie sich Lösch-, Export- und Audit-Anforderungen umsetzen lassen. Ebenso relevant sind Identity- und Access-Management, Verschlüsselung, Mandantentrennung sowie die Protokollierung administrativer Zugriffe.

Kosten verdienen eine differenzierte Betrachtung. Cloud-Modelle reduzieren häufig die anfängliche Investition, können bei dauerhaft hoher Auslastung oder umfangreicher Datenübertragung jedoch erhebliche Betriebskosten erzeugen. Neben Rechenleistung gehören Speicherkosten, Netzwerkverkehr, Plattformlizenzen, Monitoring und Support in die Kalkulation. Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vergleicht deshalb nicht nur monatliche Preise, sondern auch Betriebsaufwand, Skalierungsbedarf und Exit-Kosten.

Hybride Architekturen sind oft der realistische Weg

In vielen Unternehmen liegt die tragfähige Lösung zwischen beiden Polen. Sensible Daten oder SAP-Kerndaten können in einer kontrollierten Umgebung verbleiben, während ausgewählte KI-Dienste aus der Cloud genutzt werden. Denkbar ist auch, Daten lokal aufzubereiten und nur minimierte, pseudonymisierte oder fachlich notwendige Inhalte an externe Modellservices zu übergeben.

Hybrid bedeutet aber nicht, dass Risiken automatisch getrennt werden. Jede Übergabe braucht einen definierten Zweck, eine technische Schnittstelle und einen verantwortlichen Owner. Es muss nachvollziehbar sein, welche Daten in welcher Form übertragen werden, wie Ergebnisse zurückgelangen und was geschieht, wenn ein Dienst nicht erreichbar ist oder unerwartete Resultate liefert.

In SAP-nahen Szenarien kommt hinzu, dass Berechtigungen aus dem führenden System nicht unkontrolliert in KI-Anwendungen dupliziert werden sollten. Sinnvoll sind nachvollziehbare Rollenmodelle, eine begrenzte Datenfreigabe nach dem Need-to-know-Prinzip und kontrollierte Testdaten. Damit wird aus einer technischen Integration ein steuerbarer Prozess.

Governance entscheidet über die Produktivreife

Die Frage On Premise versus Cloud KI wird häufig von Infrastrukturteams beantwortet. Das ist notwendig, aber nicht ausreichend. Fachbereich, Informationssicherheit, Datenschutz, Einkauf, Datenmanagement und Projektleitung benötigen ein gemeinsames Entscheidungsbild. Bei Anwendungsfällen mit erhöhten regulatorischen Anforderungen müssen auch die Vorgaben des EU AI Act in die Governance eingeordnet werden. Für rechtliche Fragestellungen kann die rechtlich eigenständige Quteco Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ergänzend eingebunden werden.

Praktisch bewährt sich ein schlanker, aber verbindlicher Freigabeprozess. Er dokumentiert Zweck und Nutzerkreis der Anwendung, Datenkategorien und Datenquellen, Modell- und Anbieterentscheidung, Schutzmaßnahmen, Qualitätskriterien sowie Verantwortlichkeiten im Betrieb. Für besonders kritische Prozesse gehören außerdem menschliche Kontrollpunkte, Eskalationswege und ein Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung dazu.

Revisionssicheres Reporting entsteht nicht erst vor einem Audit. Es beginnt mit der Frage, welche Entscheidungen und Änderungen später erklärbar sein müssen. Dazu zählen Modellversionen, freigegebene Datenquellen, Berechtigungsänderungen, Testergebnisse und die Behandlung von Abweichungen. Diese Nachweise sind sowohl für den stabilen Betrieb als auch für die Weiterentwicklung der Lösung relevant.

Ein praxisnaher Entscheidungsweg

Statt eine Plattformentscheidung isoliert zu treffen, sollten Unternehmen mit einem abgegrenzten Anwendungsfall beginnen. Ein Quick Check kann Datenfluss, Schutzbedarf, Integrationspunkte, Betriebsverantwortung und regulatorische Anforderungen erfassen. Darauf folgt eine Zielarchitektur mit klaren Annahmen zu Skalierung, Kosten und Sicherheitsmaßnahmen.

In der Umsetzung ist eine getrennte Test- und Produktivumgebung unverzichtbar. Fachliche Akzeptanztests sollten nicht nur die Qualität einzelner KI-Antworten bewerten, sondern auch Berechtigungen, Schnittstellenfehler, Fallback-Prozesse und die Dokumentation von Ergebnissen. Vor dem Go-Live braucht es einen Cutover-Plan, der Verantwortlichkeiten, Freigaben und Rückfalloptionen verbindlich festhält.

Ein belastbares Ergebnis ist nicht zwingend die technisch umfangreichste Architektur. Es ist die Architektur, deren Datenflüsse verstanden werden, deren Betrieb finanziell und organisatorisch abgesichert ist und deren Risiken im Verhältnis zum Geschäftszweck stehen.

Architekturentscheidung strukturiert absichern

Quteco unterstützt Unternehmen mit Quick Checks und Workshops dabei, KI-Anwendungsfälle, Datenflüsse und Betriebsmodelle für eine belastbare Zielarchitektur einzuordnen. Bei Bedarf begleiten erfahrene Spezialisten die Governance-Konzeption, SAP-nahe Integration, Testplanung und produktionsnahe Einführung. Entscheidend ist, die Architekturentscheidung vor dem Go-Live so zu dokumentieren, dass sie auch unter Zeit- und Betriebsdruck tragfähig bleibt.

 
 
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