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KI Use Cases mit Wirkung im Unternehmen

  • Autorenbild: Hakan Cobanoglu
    Hakan Cobanoglu
  • 18. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Ein KI-Use-Case ist nicht deshalb sinnvoll, weil ein Modell überzeugende Texte erzeugt oder große Datenmengen auswerten kann. Entscheidend ist, ob er einen konkreten Prozess unter realen Betriebsbedingungen messbar verbessert. Für Unternehmen liegen tragfähige KI Use Cases daher meist nicht in isolierten Experimenten, sondern an den Übergängen zwischen Fachprozess, Datenbasis, SAP-Systemen, Freigaben und Verantwortlichkeiten.

Gerade in laufenden S/4HANA-Programmen, bei kritischen Integrationen oder in regulierten Bereichen ist der Maßstab klar: Die Anwendung muss nachvollziehbar arbeiten, in vorhandene Abläufe passen und einen stabilen Betrieb unterstützen. Ein Pilot ohne definierte Datenquellen, fachliche Abnahme und Betriebsverantwortung ist noch kein produktiver Anwendungsfall.

Was einen belastbaren KI Use Case ausmacht

Ein sinnvoller Anwendungsfall beginnt mit einer wiederkehrenden Entscheidung, Prüfung oder Bearbeitung, die heute Zeit bindet, Fehler begünstigt oder zu Verzögerungen führt. KI kann dort unterstützen, indem sie Informationen strukturiert, Auffälligkeiten priorisiert, Inhalte zusammenfasst oder Vorschläge vorbereitet. Sie sollte jedoch nicht Aufgaben automatisieren, deren fachliche Regeln unklar, Datenquellen widersprüchlich oder Freigabewege ungeklärt sind.

Der erwartete Nutzen muss vor dem Start konkret beschrieben werden. Das kann eine kürzere Durchlaufzeit im Incident Management sein, eine höhere Trefferquote bei der Klassifikation von Belegen oder ein geringerer manueller Aufwand bei Datenqualitätsprüfungen. Auch Risikoziele sind messbar: etwa weniger unvollständige Stammdatenänderungen, frühzeitig erkannte Abweichungen oder besser dokumentierte Entscheidungen.

Dabei gilt: Nicht jeder wirtschaftlich attraktive Use Case ist sofort umsetzbar. Ein hoher Nutzen rechtfertigt nicht, auf Datenherkunft, Zugriffskontrolle oder fachliche Validierung zu verzichten. Umgekehrt kann ein kleiner, klar abgegrenzter Anwendungsfall ein geeigneter Einstieg sein, wenn sich damit Architektur, Governance und Betrieb in überschaubarem Rahmen erproben lassen.

Wo KI im Unternehmensalltag konkret unterstützt

Datenqualität und Stammdatenmanagement

In SAP-nahen Prozessen entstehen häufig Datenprobleme nicht durch fehlende Regeln, sondern durch hohe Mengen, uneinheitliche Eingaben und verteilte Verantwortlichkeiten. KI kann Dubletten, unplausible Werte, fehlende Attribute oder widersprüchliche Klassifikationen erkennen und zur Prüfung vorlegen. Besonders wirksam ist dies bei Material-, Kunden- und Lieferantenstammdaten, wenn klare Qualitätskriterien und ein verantwortliches Data-Owner-Modell vorhanden sind.

Die KI sollte hierbei nicht unkontrolliert Datensätze ändern. Der belastbare Einsatz besteht in der Priorisierung und Vorschlagsgenerierung, ergänzt um nachvollziehbare Prüf- und Freigabeschritte. So bleiben Fachbereiche entscheidungsfähig, während sich der manuelle Suchaufwand reduziert.

Dokumenten- und Wissensprozesse

Viele Organisationen bearbeiten Spezifikationen, Prüfberichte, Verträge, Betriebsdokumentationen oder Projektnachweise in großen Mengen. KI-gestützte Anwendungen können Inhalte extrahieren, Dokumente klassifizieren und Fragen auf Basis eines definierten, freigegebenen Informationsbestands beantworten. In Projektorganisationen lassen sich beispielsweise Risiken, offene Punkte und Abhängigkeiten aus Statusberichten strukturiert aufbereiten.

Der Nutzen hängt stark von der Qualität des Wissensbestands ab. Veraltete Dokumente, unklare Versionen oder zu weit gefasste Berechtigungen führen schnell zu fachlich falschen oder unzulässigen Ergebnissen. Deshalb müssen Quellen, Aktualisierungsprozesse und Rollenmodelle vor dem produktiven Einsatz festgelegt werden. Eine Antwort ist nur dann belastbar, wenn ihre Grundlage im jeweiligen Kontext prüfbar bleibt.

Service, Einkauf und operative Fachprozesse

Im Service kann KI Anfragen vorsortieren, Informationen aus Vorgängen zusammenführen und Bearbeitern passende Lösungsvorschläge machen. Im Einkauf lassen sich Lieferantendokumente gegen definierte Anforderungen prüfen oder Abweichungen in Bestellungen und Auftragsbestätigungen hervorheben. In der Energieversorgung oder Industrie können Meldungen aus Anlagenbetrieb, Instandhaltung und Qualitätsmanagement nach Dringlichkeit bewertet werden.

Die Grenze liegt dort, wo Vorschläge unmittelbar zu finanziellen, sicherheitsrelevanten oder vertragsrelevanten Entscheidungen werden. Dann braucht es klare Eskalationsregeln und menschliche Freigaben. Eine gute Lösung reduziert nicht nur Bearbeitungszeit, sondern macht auch sichtbar, wann ein Fall nicht automatisiert entschieden werden darf.

Testmanagement und Transformationsprojekte

Bei S/4HANA-Migrationen und komplexen Integrationsvorhaben entstehen große Mengen an Testfällen, Fehlermeldungen, Fachkonzepten und Statusinformationen. KI kann Testfälle anhand von Prozessänderungen priorisieren, Fehlerbilder clustern oder Auswirkungen von Änderungen auf Schnittstellen und Rollen analysieren. Auch für Cutover-Planungen lassen sich Abhängigkeiten und unvollständige Aktivitäten besser erkennen, wenn Projektartefakte strukturiert vorliegen.

Solche Anwendungen ersetzen keine erfahrene Projektsteuerung. Sie können aber die Transparenz erhöhen und Teams auf kritische Punkte lenken. Voraussetzung sind konsistente Projektinformationen, ein belastbares Berechtigungsmodell und eine eindeutige Regelung, welche Entscheidungen bei Projektleitung, Fachbereich oder IT verbleiben.

Vom Einfall zum produktiven Betrieb

Der häufigste Fehler bei KI-Initiativen ist ein zu früher Fokus auf das Modell. Vor der technischen Auswahl sollte ein Use Case fachlich und organisatorisch bewertet werden. Ein kompakter Quick Check kann dafür Prozessschmerz, Datenreife, Systemabhängigkeiten, Nutzenannahmen und Risiken erfassen. Daraus entsteht eine priorisierte Entscheidung, ob der Anwendungsfall vorbereitet, pilotiert oder zunächst zurückgestellt wird.

In der Konzeptphase werden Datenflüsse, Quellsysteme, Rollen, Berechtigungen und Qualitätskontrollen konkretisiert. Bei SAP-nahen Anwendungen ist insbesondere zu klären, welche Daten in welchem Umfang außerhalb des Kernsystems verarbeitet werden dürfen, wie Ergebnisse zurückgeführt werden und welche Protokollierung erforderlich ist. Nicht jede Architektur muss dieselbe Antwort geben: Eine interne Wissenssuche stellt andere Anforderungen als eine Anwendung mit Schreibzugriff auf Geschäftsdaten.

Danach folgt ein Pilot mit realistischen Fällen und klaren Erfolgskriterien. Entscheidend ist nicht nur die fachliche Trefferquote. Zu prüfen sind auch Antwortzeiten, Fehlerszenarien, Bedienbarkeit, Aufwand für Datenpflege und die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Werden Vorschläge von den Fachbereichen nicht akzeptiert oder lassen sie sich nicht plausibilisieren, ist die Lösung trotz guter technischer Kennzahlen nicht betriebsreif.

Für den Übergang in den Regelbetrieb braucht es einen verantwortlichen Owner, dokumentierte Kontrollpunkte und ein Verfahren für Änderungen. Modelle, Datenquellen und Prompts verändern sich. Deshalb gehören Monitoring, regelmäßige Qualitätsprüfungen sowie ein klarer Umgang mit Fehlentscheidungen zur Betriebsorganisation. Revisionssicheres Reporting entsteht nicht nachträglich, sondern durch Protokollierung und Verantwortlichkeiten von Beginn an.

Governance ist Teil des Use Cases

KI-Governance wird oft als nachgelagerte Compliance-Aufgabe behandelt. In der Praxis entscheidet sie mit darüber, ob ein Use Case skalierbar ist. Wenn niemand Datenfreigaben verantwortet, wenn Zugriffsrechte nicht zum Einsatzszenario passen oder wenn Prüfungen nur informell erfolgen, wird jede Erweiterung aufwendig und riskant.

Eine angemessene Governance unterscheidet zwischen Risikoarten und Einsatzkontexten. Sie regelt unter anderem Zweckbindung, Datenklassifikation, Rollen, menschliche Aufsicht, Dokumentation und Kontrollmechanismen. Je nach Anwendung können zudem Anforderungen aus Datenschutz, Informationssicherheit, dem EU AI Act oder branchenspezifischen Vorgaben relevant sein. Die rechtliche Einordnung solcher Fragestellungen erfolgt bei Bedarf durch die rechtlich eigenständige Quteco Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Technische Umsetzung und rechtliche Bewertung müssen dabei abgestimmt, aber klar getrennt verantwortet werden.

Ein pragmatischer Ansatz vermeidet sowohl unkontrollierte Einzellösungen als auch Governance-Konzepte ohne Bezug zum Betrieb. Für den Start reichen häufig wenige verbindliche Artefakte: eine Use-Case-Beschreibung, eine Datenflussanalyse, ein Rollenmodell, definierte Akzeptanzkriterien und ein Betriebsplan. Mit wachsender Zahl der Anwendungen lassen sich diese Bausteine zu einem einheitlichen Steuerungsmodell ausbauen.

Der richtige Maßstab: Prozesswirkung statt Modellwirkung

Die Frage lautet nicht, welches KI-Modell die eindrucksvollste Demonstration liefert. Sie lautet, ob ein Anwendungsfall einen konkreten Engpass reduziert, ohne Datenqualität, Verantwortlichkeit oder regulatorische Sicherheit zu gefährden. Ein weniger spektakulärer Use Case mit klarer Datenbasis und hoher Akzeptanz ist häufig wertvoller als eine breit angelegte Initiative ohne Betriebsmodell.

Unternehmen sollten daher ihre KI-Priorisierung eng mit laufenden Transformations-, Daten- und SAP-Vorhaben verbinden. Dort sind Prozesse, Systemgrenzen und Risiken bereits sichtbar. KI kann diese Vorhaben sinnvoll ergänzen, wenn die fachliche Verantwortung nicht in der Technologie verschwindet.

KI Use Cases strukturiert bewerten

Quteco unterstützt Unternehmen mit Quick Checks und Workshops dabei, KI Use Cases nach Prozessnutzen, Datenreife, Architektur, Governance und Betriebsanforderungen zu bewerten. Daraus können priorisierte Umsetzungsschritte, Rollenmodelle und belastbare Anforderungen für einen produktionsnahen Pilot entstehen. Der passende Einstieg ist nicht die größte Idee, sondern der Use Case, dessen Nutzen, Datenbasis und Verantwortung heute konkret überprüfbar sind.

 
 
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